Irrsinnige FSK-Freigaben, oder: Warum ich dem Sticker auf der Schachtel seit Jahren nicht mehr traue
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| # Thema - 25.05.2026 um 14:22 Uhr
Irrsinnige FSK-Freigaben Ich hab neulich mit einem Kumpel den Baader Meinhof Komplex geschaut. FSK 12. Zwölf. Der Film zeigt Hinrichtungen, Folter, Vergewaltigungen in einer Detailtreue, die selbst mir als erwachsenem Mann unangenehm war. Zwei Wochen vorher lief bei uns "The Mechanic" durch, ein solider, weitgehend blutleerer Actionthriller. FSK 18. Achtzehn. Ich frag mich seitdem ernsthaft, ob bei der FSK irgendwer nüchtern ist, wenn er abstimmt. Genre schlägt Inhalt Das ist kein Einzelfall und kein Zufall. Das ist System. Die FSK bewertet Gewalt nicht nach ihrem tatsächlichen Ausmaß, sondern nach dem Genre. Ein Actionfilm mit Schießereien wird streng behandelt, ein historischer Film mit echter Grausamkeit wird durchgewunken, weil er "gesellschaftlich relevant" ist. Das Ergebnis ist, dass ein Zwölfjähriger den RAF-Terror in Nahaufnahme konsumieren darf, aber den xXx-Film mit Vin Diesel erst mit 16. Wer das nachvollziehen kann, soll es mir erklären. Bei Sexualinhalten sieht es nicht besser aus. Unabhängige Analysen zeigen, dass zwischen FSK 6 und FSK 16 praktisch kein messbarer Unterschied im zulässigen Sexualgehalt besteht. Die Stufen dazwischen sind Beschriftung ohne Inhalt. Freiwillig heißt folgenlos Das strukturelle Problem steht schon im Namen. Die Branche prüft sich selbst, und niemand, der Geld mit einem Film verdient, hat ein Interesse daran, dass dieser Film eine hohe Altersfreigabe bekommt. Weniger Publikum bedeutet niedrigere Einnahmen. Dass da trotzdem irgendwas rauskommt, das halbwegs aussieht wie Jugendschutz, ist eher Zufall als Methode. Dazu kommt, dass Streaming das ohnehin schon löchrige System endgültig unterlaufen hat. Netflix und Amazon stufen ihre Eigenproduktionen selbst ein, ohne FSK-Prüfung. Und das Absurde dabei ist, dass sie es nachweislich konsistenter tun als die FSK. Die offizielle Selbstkontrolle der Filmwirtschaft wird von Privatunternehmen in ihrer eigenen Disziplin ausgestochen. Die FSK-Antwort auf jahrelange Kritik war übrigens, seit 2024 Schüler bei Prüfsitzungen mitmachen zu lassen. Als hätte das Problem jemals darin bestanden, dass zu wenige Leute abstimmen, und nicht darin, dass die Kriterien selbst inkonsistent sind. Für Gamer nichts Neues Wir kennen das von der USK. Deutschland war bis vor einigen Jahren der letzte westliche Markt, auf dem Counter-Strike mit Holzpuppen statt Spielfiguren lief, weil echte menschliche Gegner als jugendgefährdend galten, während gleichzeitig brutale Kriegsfilme mit FSK 12 durch den Handel liefen. Spiele wurden jahrzehntelang als Sonderfall behandelt, schärfer reguliert als Film, obwohl die Inhalte oft harmloser waren. Das hat sich etwas gebessert, aber die Grundphilosophie ist dieselbe geblieben. Genre und Medium gehen vor tatsächlichem Inhalt. Habt ihr selbst Beispiele, wo die Freigabe komplett an der Realität vorbeigegangen ist? |
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